Rund 900 Beschäftigte folgten am Dienstagmittag dem Aufruf der IG Metall und protestierten gegen die geplante Schließung des Berliner Standorts. Unterstützung erhielten sie unter anderem von lokalen Vertreter:innen der SPD, der Linken und von Bündnis 90/Die Grünen sowie von Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey und Arbeitssenatorin Cansel Kiziltepe, die vor Ort ihre Solidarität mit den Beschäftigten bekundeten.
„Die Beschäftigten von IAV haben heute deutlich gezeigt, dass sie den Standort Berlin und ihren Tarifvertrag nicht kampflos aufgeben werden. Wir kämpfen weiter für den Standort und für die Arbeitsplätze bundesweit“, berichtete Jan Brauburger, IG Metall-Gewerkschaftssekretär nach der Kundgebung am Mittag.
1.400 Stellen sollen bundesweit gestrichen werden
Vergangene Woche informierte die IAV-Geschäftsführung die Belegschaft über ihre Abbaupläne, die sie „Zukunftskonzept“ nennt. Tatsächlich handelt es sich um einen massiven Kahlschlag: Bundesweit sollen bis zu 1.400 Stellen wegfallen. Besonders hart trifft es Berlin: Der Standort mit rund 1.250 Beschäftigten soll bis spätestens 30. Juni 2027 geschlossen und verkauft werden.
Als vermeintliche Alternative verweist das Management auf einen Wechsel an den Standort Gifhorn. „Wenn Berliner Beschäftigte nach Gifhorn wechseln sollen, bedeutet das angesichts der geplanten 1.400 Stellenstreichungen im Umkehrschluss: Andere Kolleginnen und Kollegen verlieren dort ihren Arbeitsplatz“, sagte Tanja Schneider, Betriebsratsvorsitzende von IAV in Berlin. „Wir stehen bundesweit zusammen und werden nicht zulassen, dass uns die Geschäftsführung und Volkswagen spaltet.“
Massiver Angriff auf den Tarifvertrag
Doch damit nicht genug: Parallel greift die Geschäftsführung massiv die Arbeitsbedingungen an. An allen Standorten sollen ab sofort nur noch 25 Urlaubstage gelten, die Arbeitszeit auf 40 Stunden pro Woche erhöht und gleichzeitig Entgeltbestandteile gekürzt werden – trotz bestehender Tarifverträge. Für die Beschäftigten bedeutet das nicht nur die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes, sondern auch einen schwerwiegenden Angriff auf tarifliche Standards und ihre Arbeitsbedingungen.
„Das Vorgehen der Geschäftsführung ist beispiellos. Hier sollen nicht nur Arbeitsplätze vernichtet, sondern auch Tarifverträge gebrochen werden“, kritisierte Ines Beeck, Zweite Bevollmächtigte und Geschäftsführerin der IG Metall Berlin.
„Wer bestehende Vereinbarungen infrage stellt, verspielt Vertrauen und zerstört die Verlässlichkeit, die Beschäftigte von ihrem Arbeitgeber erwarten dürfen. Die IG Metall Berlin fordert die Geschäftsführung auf, ihre Angriffe sofort zurückzunehmen und sich an geltende Vereinbarungen zu halten. Berlin ist ein leistungsfähiger Industriestandort mit engagierten Beschäftigten. Wer ihn schließt, entscheidet sich bewusst gegen Fachkräfte, gegen Verantwortung und gegen die eigene Zukunft als Unternehmen. Das werden wir nicht hinnehmen.“
Originalmeldung der IG Metall Berlin mit Bildergalerie
Berichterstattung:
Reuters Meldung vom 12.05.2026: https://www.reuters.com/sustainability/sustainable-finance-reporting/workers-protest-vw-backed-iav-berlin-against-plans-cut-1400-jobs-2026-05-12/
Tagesspiegel Meldung vom 12.05.2026: https://www.tagesspiegel.de/berlin/stellenabbau-hunderte-protestieren-gegen-stellenabbau-bei-iav-15588857.html
rbb Abendschau Beitrag vom 12.05.2026: https://www.rbb-online.de/abendschau/videos/20260512_1930/1.html
rbb Inforadio Beitrag vom 12.05.2026: https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2026/05/auto-dienstleister-iav-berlin-protest-mitarbeiter-ig-metall.html