Brandenburger Elektrostahlwerke (BES) Keine Stahlarbeiter 2. Klasse in Brandenburg

Die IG Metall und die Brandenburger Elektrostahlwerke (BES) haben am Vormittag des 22. April im Konflikt über die Übernahme des Tarifvertrages für die ostdeutsche Stahlindustrie ein Verhandlungsergebnis erzielt.


Die rund 680 Beschäftigten in Brandenburg an der Havel bekommen die im Flächentarifvertrag vereinbarte Entgelterhöhung um 1,75 Prozent statt zum 1. Januar 2026 zum 1. November 2026. Dafür zahlt ihnen der Arbeitgeber mit dem Mai-Gehalt zusätzlich eine steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie von 500 Euro.

 

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Nach zähen, monatelangen Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite und vier Warnstreiks zeigt sich IG Metall-Verhandlungsführerin Sophie Jänicke von der Bezirksleitung Berlin-Brandenburg-Sachsen erleichtert über die erzielte Einigung. „Jetzt ist endlich klar: Die Stahlarbeiterinnen und Stahlarbeiter in Brandenburg an der Havel werden nicht vom Flächentarifvertrag abgekoppelt“, betont Jänicke. „Uns war es wichtig, dass die Kolleginnen und Kollegen bei BES mit der Entgelterhöhung aus dem Flächentarifvertrag in die nächste Stahltarifrunde gehen.“

Metaller Martin Bahn, Betriebsratsvorsitzender bei BES, unterstreicht: „Letztendlich war der Druck durch die Belegschaft so groß, dass die Geschäftsführung der Belegschaft entgegenkommen musste und deren berechtigter Forderung nach mehr Geld zustimmte. Wir haben mit unserer Stärke bewiesen, dass wir uns bei BES nicht vom Flächentarifvertrag abkoppeln lassen, weder jetzt noch in Zukunft.“

„Dank der Geschlossenheit von Belegschaft, Aktiven im Betrieb und IG Metall haben wir praktisch in letzter Minute kurz vor der Einleitung der Urabstimmung einen guten Kompromiss ohne Einbußen für die Beschäftigten als Verhandlungsergebnis erreicht“, sagt Stefanie Jahn, Geschäftsführerin der IG Metall Oranienburg-Potsdam. „Ihre Stärke, Durchsetzungskraft und Auseinandersetzungsfähigkeit zeichnet die Kolleginnen und Kollegen bei BES aus. Ich hoffe, dass dies bei der Geschäftsführung nachhaltigen Eindruck hinterlässt.“

Mit ihrer späten Einsicht vermied die Arbeitgeberseite eine weitere Eskalation in der seit Monaten schwelenden Auseinandersetzung: Für den 23. April hatte die IG Metall einen 24-Stunden-Warnstreik geplant und den Beginn einer Urabstimmung über unbefristete Streiks vorbereitet.

Zuvor hatte die IG Metall gemeinsam mit den Beschäftigten bereits seit Januar 2026 mit vier Warnstreiks kontinuierlich den Druck erhöht, weil die BES-Geschäftsführung sich monatelang weigerte, die Regelungen des Flächentarifvertrages für die ostdeutsche Stahlindustrie zu übernehmen. Das Ergebnis des neuen Anerkennungstarifvertrags bei BES weicht im Detail etwas vom Flächentarifvertrag ab, zieht aber materiell keine Schlechterstellung für die Beschäftigten nach sich. Mit dem Flächentarifvertrag kam die Entgelterhöhung früher: zum 1. Januar 2026 statt zum 1. November 2026. Dafür sieht er keine Einmalzahlung vor.